NW: Here we go again

Fünf Wochen sind schon wieder ins gothic wonderland gegangen.

walzwalz

Vier neue Kurse, etwa fünfundzwanzig neue Bücher, bereits zwei durchwachte Bibliotheksnächte und, Tatsache, von neuem neues Interesse (schwer quantifizierbar). Frisch, neu und unerwartet diese Woche: der Frühling in North Carolina, Winterjacke ade.

Im Schlepptau natürlich altbekannter Stress, aber in neuer Dimension. Das normale Lesepensum ist ambitioniert bis unwirklich, die Essays und Arbeiten außer der Reihe aber sprengen den Rahmen. Meine Kommilitonen teilen sich in Außerirdische, die das reißen, und – mir bislang eher vertraute – normal Ebenirdische, die das nicht so ernst nehmen. Aber, Moment: War dieses Jahr nicht als Kontrastmittel zum FU-Mittelmaß gedacht? Nur einmal im Leben an einer echten Elite-Uni… Oder nein, Auslandsjahr gleich Ausspannjahr! Erzähl mir einer, Erasmus-Studenten würden wirklich was tun…

Spaß beiseite, ich nehm’s natürlich ernst und dumm wär ich, wenn nicht. Kurse mit fünf Mann, exzellente Dozenten, Kommilitonen, die wirklich die Texte gelesen haben – Osianer, horcht auf. Das ist tatsächlich einmalig, bei meinen Maßstäben.

verschneites wunderlandAber wo bleibt die Abwechslung? Kann ein Studentenleben auf library only reduziert werden? Es kann. Und trotzdem bietet allein der Mikrokosmos Duke genügend Abwechslung und Ausflucht. Ein starkes Kulturprogramm, selten Partys, und: Basketball.

College-Basketball ist Massensport. In den Staaten, in Duke: eine Religion. Die Blue Devils sind seit Jahrzehnten als Spitzenteam bekannt und stellen mit Mike Krzyzewski einen der populärsten Trainer des Landes. Das Cameron Indoor Stadium ist bei Heimspielen knallevoll – mit zahlenden Besuchern (bei regulären Ticketpreisen, für die auch ein Berliner WM-Finale drin gewesen wäre) und mit enthusiastischen Studenten, die für ihre Eintrittskarte allerdings nur stundenlang angestanden sind. Auch ich habe die Erfahrung gemacht beim 76:67 gegen Georgetown Ende Januar. Das Spiel als solches: Naja, kein Fußball. Aber weit spannender als der andere Sport mit B und der mit den großen, schweren, vielen Jungs. Die Atmosphäre: schlicht und ergreifend umwerfend. Die Duke-Fans heißen nicht von ungefähr Cameron Crazies.

Faszination B-Ball ist Tradition und Identitätsstiftung. Auch ne Tradition: für das prestigeträchtigste Spiel der Saison – gegen den Nachbar, North Carolina aus Chapel Hill – zelten. Kein Witz! Seit Anfang Januar wohnen ein paar hundert Verrückte vor dem Stadion in Zelten, um so an Tickets zu kommen. Das ganze heißt dann Krzyzewskiville, ist für einige Wochen eine riesige, versiffte Party und landesweit legendär.

Tradition ist darüber hinaus, nach dem Spiel ein riesiges Siegesfeuer auf dem main quad zu entfachen. Naja. Besagtes Spiel war heute Abend, die Tradition der letzten vier Jahren ist leider auch, das Derby umkämpft, aber doch deutlich an die Tar Heels abzugeben, und was soll ich sagen? 101:87 war deutlich. Das bonfire viel übrigens wegen zu starken Windes aus.

Trübsal, Trübsal! Was soll man machen? Einfache Frage. Ab in die Bibliothek, natürlich.